St. Petersburg, das Tor zur Welt

Wenn ich vor der Reise an Russland gedacht habe, ist mir nicht in den Sinn gekommen, dass es für mich ein Problem werden könnte, nicht russisch sprechen und kein Kyrillisch lesen zu können.

Aber die ersten Tage in St. Petersburg waren für mich, was die Verständigung anging, sehr schwierig, denn die Leute verstehen hier kaum Englisch. In ganz Russland soll der Anteil der Erwachsenen, die englisch sprechen, bei 6% liegen. Hier in St. Petersburg ist der Anteil natürlich höher. Bei den älteren Leuten liegen die Gründe dafür sicherlich in der Geschichte, denn in der ehemaligen Sowjetunion war die westliche Kultur (Sprache, Musik, Mode, Lebensstil) die Kultur des Feindes und deshalb verpönt oder verboten. Heute ist die Globalisierung in St. Petersburg angekommen. Die weltgrößten Konzerne haben ihre Filialen in St. Petersburg. Deshalb ist es notwendig, dass die Schüler ab der 2. Klasse  Englisch in der Schule lernen. In der Schule 45 wurden alle Präsentationen zur Blockade und zur Weltraumtechnik auf Englisch gehalten. Die Sprachbarrieren werden wohl in einigen Jahren nicht mehr vorhanden sein.

 

Die ersten zwei Tage wäre ich alleine, ohne meine Gruppe, verloren gegangen, denn in den Metrostationen konnte ich oft nur raten, ob mich das Schild nun zum Eingang oder zum Ausgang führen wollte. Kyrillisch ist uns sehr fremd. Und je weiter ich mich dem Zentrum entfernte, umso seltener waren die Hinweisschilder in Lateinischen Buchstaben oder in Englisch geschrieben.

 

Dort waren die Gehwege und Straßen nicht geräumt, dort habe ich ein bisschen vom normalen Leben der oft unsichtbaren St. Petersburger gesehen.

 

Zurück im Zentrum war ich überwältigt von dem unfassbaren Angebot an Kunst und Kultur. Die Heremitage ist Sammelpunkt für Touristen aus der ganzen Welt und Schulklassen aus  Russland. Hier habe ich gemerkt, wie weltgewandt St. Petersburg ist. Hier habe ich mich gefühlt als würde ich die ganze Welt kennen.

 

Weltgewandt sind auch viele Restaurants in St. Petersburg, die Traditionellen ebenso wie die angesagten Burgerlabs. Viele Angestellte verstehen Englisch oder schaffen es irgendwie die Bestellung mit entsprechenden Speisekarten richtig aufzunehmen. Nur die Bedienung im Lokal mit dem Namen Fish&Chips!! war mit unserer Bestellung auf Englisch völlig überfordert. Die Burger waren dann aber sehr lecker. Vegetarisches Essen zu bekommen ist überhaupt kein Problem, veganes  aber schon.

 

Der Newsky- Prospekt ist die Shoppingmeile in St. Petersburg, dort reiht sich ein Geschäft an das andere. Internationale Marken wie Zara und Timberland sind dort vertreten.

 

Das zeigt, Russland und speziell St. Petersburg sind auf dem Weltmarkt angekommen. Auch wenn es hier (noch) sprachliche Barrieren gibt, kann man sagen, dass St. Petersburg eine internationale Stadt ist.

 

Lucy Keil (STSBergedorf)

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