Spuk Profilreise: Polen 2018 / Jüdisch-Galizisches Museum

Jüdisch Galizisches Museum

Blogeintrag, Samstag der 22. September

Am heutigen Tag sind wir ins Jüdisch-Galizische Museum der Stadt Krakau gegangen. Das Museum befindet sich im Stadtteil Kazimierz, der früher und auch noch heute stark jüdisch geprägt ist. Dort haben wir eine Führung durch das Museum bekommen. Die Ausstellung besteht aus verschiedensten Fotoaufnahmen der jüdischen Kultur, wie sie sowohl früher praktiziert wurde als auch heute. Es wird beispielsweise gezeigt, wie heutzutage versucht wird mit dem Holocaust umzugehen und inwiefern das Judentum geehrt wird. Die Fotos der Ausstellung bewahren die Erinnerung an die jüdische Kultur des ehemaligen Galiziens und damit an die Opfer des Holocaust. 
Anschließend an die Führung durch das Museum hatten wir ein Zeitzeugengespräch mit einer Dame namens Rena. Ihre Geschichte hat mich persönlich sehr berührt. Sie stammt aus Krakau und wurde 1941 im Krakauer Ghetto geboren. Sie erzählte von dem schwierigen Leben im Ghetto, obwohl sie selbst sich daran kaum noch erinnern kann, da sie noch so klein war. Ihre Mutter versteckte sie und ihr Vater arbeitete in Schindlers Fabrik. Er war dort einer der Hilfsarbeiter. Nach einiger Zeit ist ihre Mutter mit Rena durch die Kanalisation geflohen. Sie wollte sich mit ihrer Tochter bei einer Freundin verstecken, doch das wollte die Freundin nicht und so kam Rena zu einer Pflegefamilie. Dort wurde sie katholisch erzogen, diesen Glauben nahm sie auch an, hatte jedoch keine Ahnung wer ihre eigentlichen Eltern waren. Als der Krieg vorbei war hat ihre Mutter sie zurückgenommen und auch ihr Vater ist zurückgekehrt. Da Rena nun allerdings einen völlig anderen Glauben hatte, hat sie sich mit ihrer Mutter verstritten und ist ausgezogen. Sie hat eine eigene Familie gegründet und hat sogar Enkel. Ihren Sohn hat sie zwar katholisch erzogen jedoch weiß er, dass auch er Jude ist. Während Rena sprach hat man gemerkt, wie schwierig es für sie war, einige Teile wiederzugeben, vielen von uns sind die Tränen gekommen während sie ihre Geschichte erzählt hat. Wir sind auch alle sehr glücklich auseinander gegangen nachdem wir noch ein Foto gemacht haben. Das war sehr schön. Was mich persönlich so fasziniert und innerlich glücklich macht ist, dass obwohl sie eine Person war, die sich nie wirklich zugehörig und immer ungewollt gefühlt hat, am Ende doch ein so schönes Leben führen konnte und außerdem beeindruckte mich, was für eine Positivität sie ausstrahlt.

 

Jolantha 

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