Spuk Profilreise: Polen 2018 / Der weitläufige Tod

Der weitläufige Tod

 

Heute am 20.09.2018 waren wir, Fiona, Yuri, Paulina, David und Helena, zum ersten Mal im Konzentrationslager Auschwitz I und Auschwitz II-Birkenau.

Das Stammlager war von Touristen überlaufen und es war an einigen Stellen schwierig lange genug Zeit zu finden, um den Ort auf sich wirken zu lassen. Der erste sehr emotionale Moment für die meisten war, als wir die erste Gaskammer des Stammlagers betraten. Das Gefühl in einem Raum zu sein, in dem viele tausend Menschen so kaltblütig ermordet wurden, war erdrückend. Es war schwierig, sich vorzustellen an dem Ort zu sein, über den man bereits so viel gelesen hatte.

In den ruhigen Ecken des Lagers wurde einem auch schnell bewusst, was für Gräueltaten dort wirklich begangen wurden. Ein Ort, an dem wir uns gerne mehr Ruhe und Privatsphäre gewünscht hätten, war die „Todesmauer“. An der Mauer stand eine Masse von Menschen, welche sich dem Ernst der Lage offentsichtlich nicht wirklich bewusst war.

Nach einer kurzen Pause und der Suche nach dem Shuttle-Bus, fuhren wir nach Birkenau.

Keiner von hatte es sich so groß und so weit vorgestellt. Es übertraf unsere Befürchtungen. In alle Richtungen konnte man hunderte Meter laufen und war noch immer, von Baracken und Zäunen umringt. Unvorstellbar, wie Menschen hier leben mussten. Ställe, die für 51 Pferde geplant waren, wurden für sie umgestaltet, so dass an die 400 Menschen dort „lebten“. In den Baracken roch es nach Tieren und Heu. Es wird einem klar, dass die Häftlinge wirklich nicht mehr wie Menschen behandelt wurden, sondern noch schlimmer als Tiere.

Außerdem lag über dem gesamten Gelände eine bedrückende Stimmung.

Nachdem wir uns die Baracken angesehen hatten, folgten wir den Schienen zur Mitte des Lagers, wo die Selektion der Neuankömmlinge stattfand.

Durchschnittlich wurden 70-75% von ihnen sofort in die Gaskammern getrieben. Unter ihnen auch viele Kinder. Diesen Punkt unseres Besuches fanden wir alle besonders erdrückend. Die Vorstellung wie viele Menschen auf diesem Weg ihre letzten Schritte taten, machte uns allen sehr zu schaffen. Wir wissen was mit ihnen passierte, doch sie waren unwissend.

Als wir bei den Krematorien II und III ankamen, strömten immer mehr Menschen in die Ausstellung. Es war gut, dass wir bereits früh angekommen waren und ohne die ganzen Menschenmassen unseren Gefühlen am Anfang freien Lauf lassen konnten.

Die wohl schlimmsten Erfahrungen, waren für uns die Krematorien und das Leid, welches den Menschen dort zugefügt wurde. Wenn man darüber nachdachte wie die Menschen in den Gaskammern getötet wurden, war die Art des Tötens sehr distanziert den Opfern gegenüber. Trotz dessen waren die Menschen, welche die Selektion durchführten und das Zyklon-B reinwarfen, diejenigen, die sich das Recht nahmen, unzählige Leben zu nehmen.

Beängstigend war, dass das bereits bestehende Lager immer noch nicht fertig ausgebaut war. Es sollte immer größer werden.

Doch am Ende zerstörten die Nationalsozialisten das, was sie aufgebaut hatte, aus Angst vor der Realität und den Konsequenzen die ihre Taten mit sich brachten. Es bleiben die Ruinen der Gaskammern, die uns, das unvorstellbare Leid der Opfer und die für uns so unbegreifliche Grausamkeit der Täter, zeigen.

 

Fiona, Paulina, Yuri, David und Helena

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