St. Petersburg - Hamburg. Zwei Partnerstädte im Vergleich

Bei der Suche nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Partnerstädte Hamburg und St. Petersburg fallen mir bekannte Behauptungen (Vorurteile?) über Russen und St. Petersburg ein, die ich erst mal prüfen möchte. Es heißt zum Beispiel, Russen würden immer Wodka trinken, seien unfreundlich und trügen nur Pelz. Und St. Petersburg sei eine Stadt der Rentner.

Einiges scheint zu stimmen, Anderes wiederum auch nicht.

 

Wir haben von jungen Leuten aus dem Jugendclub erfahren, dass ihre deutschen Freunde sie immer fragen würden, welcher Wodka denn der Beste sei. Und auf die Frage, woher sie das denn wissen sollten, käme immer die Antwort: „Wieso, du bist doch Russe.“ Es ist eben doch nicht so, dass Russen immer Wodka trinken und dass sie so unfreundlich sind. Wir haben in den Schulen immer große Gastfreundlichkeit erlebt. Allerdings habe ich festgestellt, dass hier sehr viele Menschen Echt-Pelzmützen und Echtpelzmäntel tragen. Das ist für uns Hamburger sehr ungewöhnlich, weil Echtpelze in Hamburg einfach nicht gern gesehen werden. Hier in St. Petersburg dagegen scheint das völlig normal zu sein.

 

Im Allgemeinen unterscheiden sich Hamburg und St. Petersburg meiner Meinung nach gar nicht so doll. Beide Städte sind bedeutende Industrie- und Hafenstädte. Sie sind Millionenstädte. Ein paar Unterschiede habe ich aber schon festgestellt. Hamburg kann z.B. nicht mit den vielen prunkvollen Palästen, Kathedralen und Kirchen mithalten, die in St. Petersburg ja nicht  nur zum Angeben gebaut wurden In den Palästen lebten die früher die Zarenfamilien mit ihren adligen Günstlingen. Heute befinden sich in diesen Paläste oft öffentliche Einrichtungen, z.B. Museen. 

 

In Hamburg dagegen finden wir keine Adelspaläste. Dort stammen die prächtigen älteren Gebäude fast ausschließlich von reichen Geschäftsleuten und Reedern.

 

Mir ist aufgefallen, dass es in St. Petersburg im Vergleich zu Hamburg sehr wenig Grün gibt .Es gibt zwar in der Innenstadt einige schöne kleine Parks,(s. Foto) jedoch ist die Fläche nicht mit Hamburg vergleichbar. Dort steht auf fast jeder Verkehrsinsel ein Baum oder es sind Blumen angepflanzt. Und die Straßenränder sind auch bepflanzt.

 

Als weiterer Unterschied ist mir aufgefallen, dass die Leute in St. Petersburg einen unglaublichen Nationalstolz zeigen. Sie sind stolz auf ihre Geschichte, insbesondere auf den Widerstand  ihrer Vorfahren gegen die Blockade 1941 -1944.

 

 Auch als uns unsere Partnerschulen vorgestellt wurden, klang das für mich eher wie eine Art Werbung oder Selfpromotion. In den Gesprächen mit Jugendlichen habe ich mitbekommen, wie stolz sie über ihr Land gesprochen haben.

 

Was Schule und Bildung angeht, empfinde ich die Vorschriften in St. Petersburg sehr strikt. Die Schüler und Schülerinnen tragen alle eine Schuluniform, die aus weißem Hemd bzw weißer Bluse, schwarzer Jacke, schwarzer Hose bzw Rock und einer Krawatte besteht. Es ist den Schülern untersagt, die Uniform auf der Straße zu tragen, deshalb wird sich morgens und nachmittags in der  Schule umgezogen. Und wie es scheint, haben die Schüler damit kein Problem. In Hamburg dagegen gibt es keine öffentlichen Schulen mit Schuluniform.

 

Ich würde behaupten, dass beide Städte sehr freundlich sind. In beiden Städten gibt es viele ähnliche oder gleiche Geschäfte und Autos. Auch vom Wetter her ähneln sie sich , denn hier in St. Petersburg ist es auch vorwiegend regnerisch bedeckt, nur dass die Winter hier kälter sind als in Hamburg. Auffällig ist aber, wie gelassen die Leute in St. Petersburg mit vereisten Gehwegen umgehen. Geräumte und abgestreute Bürgersteige haben wir nur vor der Eremitage und am Newski-Prospekt erlebt. Auf allen anderen Gehwegen beweisen die St. Petersburger ihre Talente als Eisakrobaten.

 

Ich finde, Hamburger und St. Petersburger passen gut zusammen, weil sie viele Gemeinsamkeiten haben und ihre Unterschiedlichkeit einen Besuch spannend machen.

 

 

 

Lara Jahncke, STS Bergedorf

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0