Die Menschen und die Gesellschaft in St. Petersburg

Zwischen Gastfreundschaft und Hektik in der Großstadt

Wir sind jetzt seit 5 Tagen in Sankt Petersburg. Schon am Anfang wurden wir mit Freude, Essen und Geschenken an den Schulen überhäuft. Sie waren dort alle sehr gastfreundlich. Doch irgendwie kommt das auf den Straßen nicht so rüber. In den Schulen wirkte es so als würden die Menschen hier sehr viel Wert auf Bildung legen, trotz alledem können auf den Straßen, in den Restaurants und in den Museen nur wenige Leute  Englisch. Aber nicht nur die Sprache sondern auch die Freundlichkeit fehlte mir manchmal. Hier ist sehr viel Gedränge  in Sankt Petersburg und es kommt auch nicht selten vor, dass man mal zur Seite geschubst wird. Vielleicht ist das auch einfach so eine „hektische Großstadt-Stimmung“ die nur in Hamburg nicht so stark ist. Who knows? Gleich auf dem Weg zum Hotel ist mir aufgefallen, dass dir Leute  nur selten ein Lächeln zurück schenken, wenn du sie anlächelst. Was mir aber nicht gleich auf dem ersten Blick auffiel, sondern erst als ich mich mit den Schülern, Lehrern und anderen Leuten unterhalten habe, das ist dieser Landes-Stolz auf Russland. Die Schüler wissen viel über Russland, es hängen viele Russland- Flaggen in den Schulen und an den Straßen. Auch wie stolz die Schulleiterin von der Schule berichtet hat, war echt legendär: „Wir machen viele Wettbewerbe, die wir natürlich  alle gewinnen.“ Ich persönlich finde das überhaupt nicht negativ, aber in Deutschland ist Stolz ein ziemlich verpöntes Thema, vor allem der Nationalstolz, was natürlich bei unserer Geschichte auch schwieriger ist. Aber mittlerweile ist Deutschland in vielen Punkten schon weiter als Russland und trotzdem ist mir hier der Stolz auf Russland viel mehr aufgefallen.

 

Am Donnerstag hatten wir ein Gespräch mit jungen Leuten im Deutsch-Russischen Jugendclub.  In meiner Gruppe haben wir viel über Politik geredet. Dieses Gespräch hat mich irgendwie ziemlich schockiert. Schon in der Schule habe wir versucht mit den Schülern über Politik zu reden, da ist uns aber schnell aufgefallen, dass die wenigsten sich für Politik interessieren. Auch im Jugendclub wirkte das schnell so und manche haben das auch ganz offen so gesagt. Doch wenn sie etwas gesagt haben, waren es oft sehr konservative Aussagen. Politik scheint zumindest bei denen, die wir getroffen haben, nicht so ein großes Thema zu sein. „Solange man sich nicht politisch engagiert, kann man gut in Russland leben“ (Aber genau da fängt das Problem ja irgendwie an. Wenn man mit dem Strom fließt kann man auch als Frau in Saudi Arabien leben.)  Der Text über die Menschen hier klingt jetzt ziemlich negativ, aber zwischen den ganzen vielen grimmigen Gesichtern habe ich auch viele Leute getroffen, die trotz fehlender Englischsprache, mir mit Zeichensprache einige Male den Weg  wieder ins Hotel gezeigt haben; und mit Gebäck wurden wir in den Schulen nur so überhäuft. Wir haben sogar ein Café gefunden das sehr international wirkte, wo wir total nett begrüßt wurden, die Frau perfekt Englisch gesprochen hat und ich mir sogar meinen Kaffee mit Soja Milch bestellen konnte (Juhu).

 

Marla Miller (STS Bergedorf)

 

 

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