Besuch im Jugendclub

Am 22. März haben wir einen Jugendclub besucht. Er befindet sich in der St. Petrikirche am Newski-Prospekt und ist Teil der Deutsch-Russischen Begegnungsstätte. Die Kirche ist evangelisch- lutherisch ausgerichtet und ist von alters her ein Zentrum der Deutschen Kultur in St. Petersburg.

 

Wir haben erfahren, dass die russischen Zaren  viele Deutsche angeworben haben.

 

Im Jugendclub treffen sich  junge Erwachsene, z.B. Studenten, die die deutsche Sprache lernen möchten.

 

Es ist ein bunte Gruppe: die Leiterin Weronika Eichwald z.B. bezeichnet sich selbst als Russlanddeutsche. Sie hat als Spätaussiedlerin viele Jahre mit ihrer Familie in Deutschland gewohnt, bevor die Familie zurück nach Russland gekehrt ist. Mascha studiert Internationale Beziehungen und ist als 6 Jährige mit ihrer Familie vor 20 Jahren von Nowosibirsk nach Mannheim umgesiedelt. Nach 5 Jahren in Deutschland ist Mascha mit ihren Eltern zurück nach Sibirien gezogen, aus Heimweh.

 

Mascha hat beide Staatsbürgerschaften und dadurch auch die freie Uniwahl. Wir haben auch Iwan, Maschinenbaustudent aus Ungarn, kennengelernt, der als kleiner Junge mit seinen Eltern aus Russland nach Ungarn ausgewandert ist und nun unbedingt Deutsch lernen möchte, um einmal in Deutschland zu studieren. Sergej, 28, der Tatoomeister will das auch.

 

Zuerst waren wir erstaunt  darüber, dass dieser Jugendclub so ganz anders ist, als der, den wir aus Bergedorf kennen. Es war doch eher ein Studentenclub.

 

Wir hatten Fragen zu den Wahlen in Russland und zu anderen politischen Themen. Über die Wahlen kam kein Meinungsaustausch zu Stande.

 

Erstaunt hat uns die Einschätzung, dass politisches Engagement grundsätzlich in Russland nicht so stark sei wie in Deutschland, weil die Leute eh nichts verändern können bzw weil es auch unbequem werden könnte. Wenn man sich nicht politisch engagiere, könne man aber in St. Petersburg und in Russland generell gut leben.

 

Wir wollten auch wissen, welches Bild die anwesenden Jugendclubmitglieder von Deutschland haben. Von offizieller Seite wird Deutschland wegen der Flüchtlinge als unsicheres Land  dar- gestellt, mit sehr viel Kriminalität, so die Information von unseren Gesprächspartnern. Offiziell wird ganz Europa wegen der Einwanderungspolitik kritisiert. Unsere Diskussionspartner standen der Ansicht skeptisch gegenüber, dass Multi-Kulti eine Bereicherung für die Gesellschaft darstellen könne. Es wurde eher auf die Gefahren hingewiesen, die sich durch das Eindringen fremder Kulturen für die eigene Kultur ergeben könnten.

 

Einige Hamburger Schüler nutzten die Gesprächskreise, um mehr über das Leben in St. Petersburg zu erfahren.

 

(Marla Miller und Gerda Schmidt)

 

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